Stoa#11 – Was ist schon „normal“?

20.04.20

28 Tage insgesamt,
20 Tage Gelassenheit insgesamt,
2 Tage Gelassenheit in Folge,

Mit dem heutigen Tage sind vier Wochen erreicht und es bleiben noch zwei Tage, um den 30-Tage-Selbsttest in Gelassenheit zu vollenden. Mit dem heutigen Tage ändern sich auch wieder die Regeln für das Verhalten in der Öffentlichkeit wegen der Covid-19-Krise. Und wieder höre ich die Leute stöhnen: „Ich will, dass alles wieder normal ist.“

„Normal“ ist der Wandel

Heraklit sagt: „Alles ist im Fluss.“ Das heißt, alles ändert sich permanent. Das Wetter ändert sich, die Jahreszeiten sind im steten Wandel und mit ihnen verändern wir uns über die Zeit. Manchmal fällt uns das kaum auf und manchmal – wie jetzt – erleben wir es deutlich. „Normal“ ist also nicht ein bestimmter Zustand, sondern der Wandel.

Ärger ändert nichts

Epiktet teilt die Ereignisse in zwei Kategorien ein: „Über das eine gebieten wir, über das andere nicht“ (Handbuch 1). Er meint damit, dass unser Einfluss nur das umfasst, was von uns selbst ausgeht. Das ist unser Denken, unser Handeln und unsere Reaktion auf unsere Begierden. Keinen Einfluss besitzen wir beispielsweise über unseren Körper, unseren Besitz und das Virus oder kurz gesagt – alles, „was nicht von uns ausgeht“. Wir können uns darüber ärgern, toben und wüten, aber es ändert nichts an der Sache.

Das Positive sehen: Wann darf man schon mal vermummt einkaufen gehen?

„Nichts ändern können und in nichts sich fügen“, erklärt Seneca („Von der Gemütsruhe“ 14,1), „beides ist unserer Gemütsruhe nachteilig. Jedenfalls muß der Mensch von allem Äußeren sich frei machen und Einkehr halten bei sich selbst, sich vertrauen, an sich Freude haben, sein Eigenes wertachten, möglichst von Fremden sich zurückziehen, sich an sich selbst halten, Verluste nicht hoch anschlagen, auch an Widrigem die beste Seite herausfinden.“ So wie Epiktet rät Seneca, sich auf sich selbst zurück zu beziehen, bei sich selbst zu bleiben und das Positive an der Situation für sich selbst zu erkennen. Wann darf man schon mal vermummt einkaufen gehen?

„Furcht begleitet die Hoffnung“

Auch die Hoffnung auf ein schnelles Ende der Krise ist keine gute Ratgeberin. „Du wirst aufhören, Furcht zu haben, wenn Du aufhören wirst zu hoffen; denn Furcht begleitet die Hoffnung“ (Seneca, „Briefe an Lucilius“ 5,7). Das Gute am stetigen Wandel ist, dass wir uns gelassen ohne Angst, Trauer und Zorn sicher sein können, dass es eine Zeit nach Corona gibt.

„Normal“ ist der Wandel und es liegt an uns, zu lernen, wie wir damit umgehen. Ärger über Dinge, über die wir nicht gebieten, ist keine Lösung, sondern ein Problem für uns selbst. Als ich vor vier Wochen mit diesem Gelassenheits-Selbsttest begann, fing ich an zu begreifen wie viel Energie es mich kostet, mich ständig zu ärgern und dass es mir selbst nicht guttut – Gelassenheit schon.

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